Feuer„Verpiss dich aus meinem Leben, du blödes Arschloch“, schnaubte ich wutentbrannt, raffte meinen Morgenmantel von der Kommode, knallte die Tür zu und rannte die Treppe hinunter. Mein Herz klopfte bis zum Hals. „Zigarette“, dachte ich „was du brauchst, ist eine Zigarette“ und wühlte in der Küchenschublade, in der ich am Abend zuvor die Glimmstengel deponiert hatte. Zu meinem Glück, zumindest in dieser Situation, hatte ich sie nicht entsorgt, sondern für Notfälle aufgehoben. Und das war ein Notfall!

Einen ganzen Tag hatte ich nun ohne Nikotin durchgehalten, B. hatte es nicht einmal bemerkt.

So wie B. eigentlich nie bemerkt hatte, was um ihn herum geschah, zumindest dann nicht, wenn er nicht im Mittelpunkt der Geschehnisse stand.

Knappe 2 Jahre zuvor hatte ich mit dem Rauchen wieder angefangen. Seinetwegen, wie ich mir selbst gern glauben machte. Zum Teil stimmte das, ich mochte damals nicht, wie es schmeckte, wenn er mich küsste. Zum anderen hatte ich offenbar gedacht es gehöre zu dem Abenteuer, in welches ich mich stürzte, dazu. Die ganze Sache mutete ohnehin äußerst pubertär an, und so gab ich mich dem „Gruppenzwang“ hin, trank Alkohol und rauchte, wie ein Teenager, der nicht wusste, was er seinem Körper damit antat.

Ich hatte die Zigaretten gefunden. Energisch zog ich den Gürtel meines Bademantels strammer und verschwand nach draußen in die dunkle Nacht. Eigentlich war ich froh etwas früher ins Bett gekommen zu sein, doch die Freude sollte nur von kurzer Dauer gewesen sein, denn kaum, dass wir uns hingelegt hatten, kippte die Stimmung zwischen uns und es bahnte sich ein erneuter Streit an.

Und ich war das streiten leid. Ich war das alles so leid, die nicht enden wollenden Diskussionen, die Rechtfertigungen, die Entschuldigungen.

Eigentlich war ich nie ein Freund von Schimpfwörtern und Kraftausdrücken gewesen, auch wenn sie so manches Argument zu untermauern scheinen. Aus irgendeinem Grund schaffte es B. jedoch, mich innerhalb von Bruchteilen eines Augenblicks derart zur Weißglut zu treiben, dass ich meine gute Erziehung vollkommen vergaß und mich in eine Furie verwandelte, die selbst Schneewittchens Stiefmutter das Fürchten gelehrt hätte.

Den Grund hierfür sollte ich schon in Kürze deutlicher zu spüren bekommen, als ich es meinem ärgsten Feind gewünscht hätte…

 

 

 

 

 

 

 

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