Ich bin aus der Übung. Definitiv. Flirten ist mir fremd. Ich weiß nicht wie es geht, und ich weiß nicht ob ich es jemals wusste. Ich war immer eher schüchtern, was das angeht. Zu Männern habe ich meist eine kumpelhafte Beziehung gepflegt. Schon als Kind war ich das einzige Mädchen, welches zu Geburtstagsfeiern der Jungs eingeladen wurde. Natürlich wird man irgendwann erwachsen, eines Tages sorgt die Biologie dafür, dass das Interesse am anderen (oder gleichen, je nachdem) Geschlecht nicht mehr nur dieser Natur ist. Es gab einige Situationen, in denen ich es nicht gemerkt habe. Mein damals bester Freund hatte sich in mich verliebt. Ich habe es nicht nur nicht gemerkt, ich habe es auch nicht verstanden. Wir waren wir und plötzlich war alles anders. Ich hatte einige kurze Intermezzi sexueller Art mit Männern, in einige war ich verliebt. Das Gefühl verliebt zu sein, das liebe ich. Vor Schmetterlingen habe ich Angst, insofern möchte ich sie nicht in meinem Bauch haben. Aber das Kribbeln, das genieße ich.

Irgendwann dann im Leben tauscht man. Aus einem flüchtigen Gefühl, einem zarten Pflänzchen entwickelt sich mehr. Und der Leidenschaft und dem Feuer und der Leichtigkeit des Augenblicks folgt im Idealfall etwas Größeres. Liebe ist ein starkes Wort, es wiegt schwer. Es gibt viele Gründe für Menschen sich zusammen zu tun, habe ich einmal gehört. In den seltensten Fällen sei es Liebe. Das macht mich traurig. Und glücklich zugleich. Mein Mann und ich haben keine Kinder, kein Haus, keine Verpflichtungen. Wir sind nicht zusammen, weil wir es müssen, wir sind zusammen, weil wir es wollen, weil wir uns von Herzen lieben.

Dieses Gefühl ist ehrlich und aufrichtig. Die Ehe frisch halten, liest man immer wieder. Dennoch ist es nur Chemie. Irgendwann weichen die Hormone, die einem Drogenrausch gleichen, jenen, die Bindung erzeugen. Ich liebe beide. Auf der einen Seite das Gefühl von Geborgenheit, absolutem Vertrauen. Vertrautheit.

Auf der anderen Seite Verlangen, Begierde und Leichtigkeit.

Dass beides parallel existieren kann und einander nicht ausschließt, hatte ich nie gedacht. Ich habe vor 12 Jahren das eine gegen das andere getauscht. Es macht mich glücklich. Und dennoch bin ich gerade frisch verliebt. Nicht in meinen Mann. In einen anderen. Auch das macht mich glücklich. Und ich bin aus der Übung. Definitiv. Mein Mann macht mir Mut. Es ist alle neu und aufregend. Übung macht den Meister, so heißt es. Nun gut, dann übe ich.

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